Montag,
18.Mai 2009:
Heute geht es mir seit Wochen mal wieder
richtig gut. Das Schreiben hat meine Seele erleichtert. Wochenlang war ich
blockiert. Meine Freundin Kerstin hat mich gestern in einer sehr lieben Mail
gebeten, professionelle Hilfe anzunehmen. Mir geht es wirklich wieder gut. Wenn
ich merke, dass ich es alleine nicht schaffe, werde ich, wie schon einmal,
Hilfe in Anspruch nehmen. Versprochen.
Heute Morgen habe ich meine Schwester
getroffen. Ich habe ihr erzählt, dass ich morgen nach Marl fahre und mich dort
mit einer Leserin treffe. Ich freue mich auf der einen Seite auf diese
Begegnung, auf der anderen Seite habe ich aber auch ein mulmiges Gefühl. Wir
werden morgen gemeinsam den Unglücksort aufsuchen.
Emails
vom 18.Mai 2009:
Reaktionen auf mein Buch.
Hi Iris,
puh, jetzt bin
ich fertig mit lesen. Und auch mit den Gedanken und Erinnerungen zum Einen bei
dir, zum Anderen in jenen Tagen im Oktober 1973. Es freut mich, dass du Dein
Vorhaben zu Papier gebracht hast. Versuchst hast, Deine Seele hierdurch
aufzubauen. Es ist Dir gelungen! So zumindest den Worten nach!
Ebenso
überrascht bin ich über die Reflektionen aus der Leserschaft. Zeigt es doch,
dass es Menschen gibt, die immer noch Erinnerungen haben nach fast 36 Jahren,
trotz Mord und Krisen jeden Tag druckfrisch in den Nachrichten.
Wenn ich Dir bei
deinem Besuch in Marl in den nächsten Tagen irgendwie behilflich sein darf, let
me know!!! Ruf einfach an!
Es wäre eine
Ehre für mich! Bis dahin LG Ludger
Hallo Iris! Was ich geschrieben habe kann
so bleiben. Das waren meine ersten Gedanken dazu und die sollen auch so stehen
bleiben. Als ich die Nachricht von Deinem Bruder gelesen habe, war ich nicht
mehr zu halten. Ich habe geheult wie ein Schlosshund!! Das ist so schön! Ich
freue mich so für Dich! Ich hoffe es geht Dir jetzt wieder besser. Übernimm
Dich nicht! Guck mal, Du hast so viele Jahre dafür gebraucht, um diesen Schritt
zu gehen. Du kannst nicht in ein paar Monaten ALLES aufarbeiten. Ich wünsche
Dir weiterhin viel Kraft, genieße das Kennenlernen mit Deinem Bruder und lass
wieder von Dir hören. Bin schon gespannt auf die nächsten Seiten. Wenn das Buch
erscheint, musst Du mir sofort Bescheid geben. Ich werde bestimmt eine der Ersten
sein, die es kauft. Liebe Grüße, Biggi
Hallo Frau Riesener, klar können Sie meine E-Mail in
Ihrem Buch verwenden. Ich hoffe, das Buch zu schreiben hilft Ihnen, alles
aufzuarbeiten. Ich habe auch eine sehr heftige Zeit hinter mir und habe es mit Menschen
zu tun, die alles verdrängen und totschweigen. Aus diesem
Grund verstehe ich irgendwie, wie es für Sie sein muss, nach dieser
langen Zeit Fragen zu stellen und auch Dinge zu hinterfragen. Die mir
zugesandten Kapitel des Buches habe ich noch nicht gelesen. Das will ich ganz
in Ruhe machen und werde mich dann wieder melden. Ich wollte Ihnen nur vorab
schon mal antworten. Mit freundlichen Grüßen Anette G.
Hi Iris, sorry das ich mich
erst jetzt melde. Ich hatte die letzten Tage verdammt viel Persönliches um die
Ohren. Ich habe mir gerade komplett die 42 Seiten durchgelesen. Mann Mann Mann.......mir
fehlen die Worte. Vor allem dass Du auf der Arbeit zusammengebrochen bist und
ich es so erfahre..........eine kurze Info und ich wäre sofort da gewesen! Lass
mich doch nicht doof sterben..... Zu Deinem Buch muss ich sagen das es sehr
bewegend ist und es mir richtig gut gefällt. Ich finde es auch gut, wie die
Resonanzen auf Deinen Bericht ausfallen und noch mehr freut es mich, dass sich
Dein Bruder endlich gemeldet hat. Ich hoffe Ihr könnt ein familiäres Flair
aufbauen. Auch wenn das Zeit braucht denke ich, dass Ihr das schaffen werdet.
Ich hoffe dass wir bald mal Zeit finden, uns auf einen Senseo zu treffen.
Einfach mal wieder sehen. Ich warte auf die nächsten Seiten. Lieben Gruß Dein
Freund Ronny
Dienstag,
19.05.2009:
Heute Morgen bin ich schon um 6 Uhr wach.
Ich bin total nervös. Heute werde ich zum zweiten Mal nach Marl-Sinsen fahren.
Dort treffe ich mich mit einer Leserin. Bisher hatten wir nur E-Mailkontakt und
kurz telefoniert. Trotzdem war von Anfang an diese Nähe da. Solch ein
gemeinsames Schicksal verbindet. Dorothee hat damals ihre Ausbildung zur
Bürokauffrau gemacht. Sie war 16 Jahre alt. Ihre Firma lag gleich in
Marl-Sinsen unterhalb der Gleise. Zum Glück war sie gerade nicht vor Ort als
das Unglück geschah. Aber sie hörte abends durch ihren Kollegen was geschehen
war. Montags nach dem Unglück sah sie das Ausmaß der Katastrophe. An dieser
Stelle möchte ich Dorothees E-Mails einsetzen. Dann wird deutlich, warum wir
beide diese Nähe, diese Verbundenheit spüren.
Email vom 4.März 2009:
ihre Geschichte hat mich sehr berührt.
Ich habe meine eigene Geschichte über das Zugunglück.
Im Anhang habe ich diese Geschichte für sie aufgeschrieben.
Ich hoffe, dass sie meine Wahrnehmungen nicht nur als schmerzlich empfinden. Liebe Grüße Dorothee Z.
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