Posts

Es werden Posts vom Januar, 2019 angezeigt.
15. Februar 2009: Es sind ein paar Tage vergangen. Heute ist Sonntag. Ich habe den Tag für mich genutzt. Es war ein ruhiger Tag. Ich habe heute ausgeschlafen. Gefrühstückt. Ein bisschen was in meiner Wohnung gemacht. Ein wenig ferngesehen. Sport gemacht.   Es begleitet mich den ganzen Tag eine gewisse Unruhe. Immer wieder muss ich daran denken, was Donnerstag geschehen wird. Ich habe am Donnerstag frei. Ich werde mich in Marl-Sinsen am Bahnhof mit einem Journalisten und einem Fotografen vom Medienhaus Bauer treffen. Marl-Sinsen, das ist der Ort, an dem das Unglück geschah. Wir werden gemeinsam einen Zeitungsartikel ausarbeiten. Ich möchte mit Opfern, Angehörigen, Augenzeugen und Helfern von damals Kontakt aufnehmen. Es ist eine Möglichkeit für mich, noch mehr über das Unglück zu erfahren. Ich möchte wissen, wie andere Menschen mit diesem Schicksalsschlag leben. Auf der einen Seite ist es für mich ein Schritt nach vorne, aber auf der anderen Seite macht es mir auch Angst. Ang...
Februar 2009: Alle Artikel und Bilder aus der Marler Zeitung sah ich vor 2 Wochen das erste Mal. Nur den Artikel aus der Bild hatte ich von meinen Großeltern bekommen. Diesen Artikel fand ich in ihrer Wohnung nach ihrem Tod. Die Bilder aus der Marler Zeitung waren für mich nur schwer zu ertragen. Es war hart diese Zeilen zu lesen. Auch als ich diese Zeilen in dieses Buch niederschrieb, musste ich immer wieder Pausen einlegen. Es ist für mich auch das erste Mal, dass ich die Gelegenheit habe, offene Fragen zu beantworten. Zu Trauern. Zu Begreifen. Ich kann jetzt besser verstehen, warum Oma und Opa kaum mit uns über das Unglück gesprochen haben. Damals waren wir noch viel zu klein. Und ich denke, je länger man mit einer solchen Geschichte lebt, umso schwerer ist es, einem Menschen, den man liebt, die Wahrheit zu sagen. Vor allem wenn das, was ich bisher niedergeschrieben habe, nur ein kleiner Teil einer verdammt traurigen Lebensgeschichte ist. Ich bin meinen Großeltern unendlich...
  01. Januar 2009 Lieber Marcus, ich hoffe es geht Dir gut. Ich bin vermutlich Deine Schwester. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir: Du, Anja & ich uns mal treffen könnten. Es ist so viel Zeit vergangen. Wäre es nicht schön, wenn wir uns wieder näher kämen? Ich denke, es käme auf einen Versuch an. Denk` mal drüber nach, lieber Bruder. Egal wie Du Dich entscheidest, ich werde Deine Entscheidung respektieren. Lass Dir die Zeit, die Du brauchst. Deine Schwester Iris    Sicher wird sich jetzt der ein oder andere fragen, warum ich erst jetzt nach meinem Bruder suche. Meine Schwester hatte schon einmal versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Mein Bruder hat auch einmal meine Großeltern besucht. Aber das ist schon über 10 Jahre her. Und es ist leider auch nur bei diesem einen Besuch geblieben. Der Wunsch war immer da Marcus wieder zusehen. Aber das hätte auch bedeutet, sich der Vergangenheit zu stellen. Das ist sehr schwer. Es tut weh, da es eine seh...
Silvester, 31.Dezember 2008 Es ist sehr schade, dass ich mich kaum an meine Eltern erinnern kann. Es sind nur noch ein paar verschleierte Erinnerungen. Ein paar Erzählungen von meinen Großeltern. Wie sie aussahen weiß ich nur von Fotos. Es ist erschreckend. Ich habe sie doch geliebt. Warum sind diese Bilder und Erinnerungen verschwunden, als hätte es sie nie gegeben? Doch eine Erinnerung wird nie verblassen. Niemals.  5.Oktober 1973. Es war ein Samstag. Mein Bruder Marcus, er war damals 2 Jahre und ich spielten in unserer Wohnung. Oma, Opa und meine Schwester, die damals noch ein Baby war, waren auch dabei. Marcus und ich, wir rannten durch die Wohnung. Es war eine Dachgeschosswohnung. Wir lachten und tobten. Wir freuten uns, weil Mama und Papa jeden Moment wieder kommen sollten. Total albern waren wir. An einen großen Vogelkäfig mit vielen gelben Vögeln kann ich mich noch vage erinnern. Ich glaube es waren Kanarienvögel. Wir waren so glücklich. Wenn ich an diesen Moment d...
Vorwort: Yin und Yang. Das sind die Symbole zwischen Entgegengesetzten und doch abhängigen Kräften. Himmel und Erde. Feuer und Wasser. Hell und Dunkel. Gut und Böse. Reden und Schweigen. Freude und Leid. Sie alle bilden eine Einheit. Das Eine kann ohne den Anderen nicht sein. Doch was steht gegenüber meiner Geschichte? Walter Rathenau sagt :“ Es steht uns bevor die Zeit des Erkennens und der Grausamkeit. Nach ihr kommt die Zeit des Begreifens und der Liebe.“ Heute ist Mittwoch, der 31.12.2008. Silvester. Heute ist der Tag. Der Tag, an dem ich mein Buch beginne. Der Tag an dem ich mich endlich traue die Fragen zu stellen, die mir schon seit vielen Jahren auf der Seele brennen. Seit Tagen kann ich mich nicht entschließen, was ich Silvester machen soll. Egal was kommt, nichts scheint das Richtige zu sein. Doch es beunruhigt mich nicht im Geringsten. Ich lasse es auf mich zukommen. Ich spüre, es wird in dieser Nacht etwas Besonderes passieren. Nun weiß ich es. Ich schreibe m...