E-Mail
vom 18.Oktober 2009:
Hi
Irismaus,
habe
jetzt endlich Feierabend und habe mir jetzt die Zeit genommen, Deine neuen
Zeilen zu lesen.
Zu
Deinem Buch muss ich sagen, dass man es anmerkt, dass Du zum Ende kommst. Du
schreibst wundervolle Sachen, die man auch persönlich sehr gut nachvollziehen
kann. Ich denke mal, von gewissen Standpunkten aus gesehen, kann sich jeder mit
Deinem Buch identifizieren. Sehr gut und verständlich geschrieben.
Selbstverständlich
hast Du meine Einverständniserklärung, dass Du mich namentlich und auch meine
Worte / Mails mit in Dein Buch nehmen darfst. Aber das habe ich Dir ja schon
mal geschrieben und gesagt. J
Bis
dann Süße
Lg
Ronny
Mittwoch, 21. Oktober 2009:
Ich bin müde, aber glücklich.
Die Vorbereitungen fürs Weihnachtsgeschäft laufen auf vollen Touren. Da gibt es
viel zu tun. Anja und Marcus treffen sich morgen. Nun werde ich den Rest des
Blümchentages die Seele baumeln lassen und neue Kräfte tanken.
E-Mail vom 29.10.2009:
Liebe Iris,
endlich habe ich es geschafft deine Zeitreise auszulesen. Es hat mich sehr gefreut weiter zu lesen und zu erfahren wie es mit dir, Deiner Familie und Deiner Vergangenheitsbewältigung weiter ging. Es war ja beim Lesen richtig zu spüren wie der Ballast von Dir abfiel und plötzlich der Frühling, mit all seinen Farben, in Deinem Leben erwachte.
Ich freue mich wirklich sehr für dich. Es ist schön zu hören, dass du die Dinge in Deinem Leben, die nicht richtig waren, wieder an die richtige Stelle rückst und nicht einfach nur stillschweigend oder laut klagend daran zerbrichst.
Liebe Grüße und weiterhin so viel Lebenskraft wünscht Dir Dorothee
endlich habe ich es geschafft deine Zeitreise auszulesen. Es hat mich sehr gefreut weiter zu lesen und zu erfahren wie es mit dir, Deiner Familie und Deiner Vergangenheitsbewältigung weiter ging. Es war ja beim Lesen richtig zu spüren wie der Ballast von Dir abfiel und plötzlich der Frühling, mit all seinen Farben, in Deinem Leben erwachte.
Ich freue mich wirklich sehr für dich. Es ist schön zu hören, dass du die Dinge in Deinem Leben, die nicht richtig waren, wieder an die richtige Stelle rückst und nicht einfach nur stillschweigend oder laut klagend daran zerbrichst.
Liebe Grüße und weiterhin so viel Lebenskraft wünscht Dir Dorothee
Sonntag,
1. November 2009:
Es ist Sonntagabend. Ich habe mir heute
ganz viel Ruhe gegönnt. Auf der Arbeit gibt es viel zu tun. Außerdem spüre ich
noch immer, dass mich die letzten Monate Kraft gekostet haben.
Ich habe viel nachgedacht. Letzte Woche war
ein Millionär im Fernsehen, der sich um Obdachlose kümmerte. Heute sah ich
einen Film über ein Kinderhospiz. Es war verdammt traurig mit anzusehen, wie
Eltern ihre Kinder beim Sterben begleiten.
Ich denke nach wie vor, dass jeder selbst
für sein Glück verantwortlich ist. Dass man eine Krise oder ein Problem als
Chance sehen soll und das Beste daraus machen muss. Ich glaube weiterhin an
Gerechtigkeit und dass jeder für das was er macht oder unterlässt die
Konsequenzen tragen muss. Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die an ihrem
Schicksal zerbrechen. Es ist wichtig, dass wir Starken den Schwachen helfen.
Ihnen zur Seite stehen. Ihnen ein wenig von unserer „Lebenskraft“ geben. Ich
habe auch gelernt, dass es keinen Sinn macht, nach dem „Warum“ zu fragen, wenn
uns ein Schicksalsschlag trifft. Wir haben keine Wahl. Wir müssen uns dem
Schicksal stellen. Jeder auf seine Art.
Ich habe das Thema schon vor einem halben
Jahr angesprochen. Sobald ich mein Leben geordnet habe, Platz und Kraft für
Neues habe, will ich einen Teil meiner „Lebenskraft“ geben. Ich weiß noch nicht
genau wie und was ich machen werde. Ich denke, wenn der richtige Zeitpunkt
dafür gekommen ist, wird sich das schon zeigen.
Mittwoch,
4. November 2009:
Ich bin immer noch platt. Ich habe seit
Tagen immer und immer wieder Kopfschmerzen. Ich schlafe schlecht. Bin schnell
überfordert. Ich weiß zurzeit nicht, wie ich das Weihnachtsgeschäft überstehen
soll. Ich fühle mich so schlapp und kraftlos. Ich denke viel nach. Ich mache
mir das Leben selber schwer. Überfordere mich – überfordere andre.
Durch meinen Hang zum Perfektionismus und
meine Arbeitswut habe ich es mal wieder geschafft, eine meiner Kolleginnen zu
überfordern. Wieder einmal ein Konflikt, der nicht hätte sein müssen. Doch
dieses mal habe ich mich gefragt, warum passiert das immer wieder. Was mache
ich falsch? Gestern hatte ich ein langes Gespräch mit meinem Arbeitskollegen.
Er hat es ein zweites Mal geschafft, mich zum Nachdenken über mein Verhalten zu
bringen. Unser Gespräch verlief sehr ehrlich und offen. Es war zeitweise sehr hart, ich hatte
mit den Tränen zu kämpfen. Ich weiß, dass ich mich in diesem Punkt ändern muss,
wenn ich nicht ständig Streit haben möchte. Und vor allem nicht irgendwann
wieder krank werden will. Ich muss nicht ständig perfekt sein. Ich muss auch
nicht von anderen erwarten, dass sie genauso arbeiten wie ich. Ich muss meine
Grenzen, aber auch die Grenzen meiner Mitmenschen akzeptieren. Sonst werde ich
nie zur Ruhe kommen. Ich muss meine Erwartungen an mich und an meine
Mitmenschen herunterschrauben.
Ich habe mich in diesem Punkt ja schon
geändert, aber es reicht nicht. Ich muss endlich meine alten Gewohnheiten loslassen. Das ist
gar nicht so leicht, wenn man von Kind auf immer alles richtig machen will.
Immer perfekt sein will. Keine Fehler, keine Schwäche zeigen will. Nur um Oma
und Opa nicht zur Last zu fallen. Dieses Verhalten habe ich nie abgelegt. Ich musste
mich immer gegen meine Schwester behaupten. Sie war immer die kleine, süße
Anja. Ich war die Ältere, ich musste für Alles die Verantwortung übernehmen.
Diese Verhaltensweise habe ich nie abgelegt. Das ist meine Art um Anerkennung
zu bekommen.
Ich kann mir vorstellen, dass ich meine
Mitmenschen damit manchmal so richtig nerve und vor allem überfordere. Keiner
kann es mir recht machen. Ich mache alles selber, da es ja eh kein anderer so kann
wie ich. Ich traue es meinen Mitmenschen nicht zu. Ich arbeite mehr als nötig
und alles muss perfekt sein. Das was andere machen ist nicht gut genug. Immer
die Messlatte ganz oben. Bloß keine Fehler und wenn doch, ärgert mich das mehr
als es gut tut. Zum Teil Lappalien. Doch in diesem Moment ein kleiner Weltuntergang.
Warum tue ich mir das an? Wahrscheinlich bin ich auch deshalb mit dem
Autofahren überfordert. Weil ich ständig darauf lauer, dass jemand einen Fehler
macht und ich darunter leiden muss.
Wenn ich so an das Gespräch von gestern
denke und meine Zeilen noch einmal lese finde ich mein Verhalten fast
lächerlich. Es ist schade, dass es nur wenige Menschen gibt, die den Mut haben,
so offen mit mir darüber zu reden. Ehrlichkeit, auch wenn sie erst einmal weh
tut, hilft mehr, als immer nur Lob über meine fast perfekten Shops. Klar werde
ich gerne gelobt, wer wird das nicht. Das gibt mir aber nie die Chance mich zu
ändern. Mir ging es gestern nach dem Gespräch sehr schlecht. Ich war sehr
nachdenklich. Hatte Magenschmerzen. Später kamen auch noch die Kopfschmerzen
dazu. Ich musste immer wieder mit den Tränen kämpfen. Da ich durch die Reise in
meine Vergangenheit die Ursachen kenne und mir jetzt mein Verhalten deutlich
gemacht wurde, habe ich die Chance, meine Einstellung und mein Verhalten zu
ändern. So komme ich meiner inneren Ruhe wieder ein Stückchen näher.
Das Gespräch mit meinem Arbeitskollegen war
vertraut, ehrlich, harmonisch, auf freundschaftlicher Basis. Keine Vorwürfe,
kein Streit. Es war für mich hart und anstrengend. Eines der wichtigsten
Gespräche für meine Persönlichkeitsentwicklung. Dafür bin ich meinem Kollegen
sehr, sehr dankbar. Ich habe viel aus diesem Gespräch mitgenommen. Nun braucht
es noch ein wenig Zeit bis ich mein Verhalten in diesem Punkt geändert habe.
Das geht nicht von jetzt auf gleich. Der wichtigste und erste Schritt ist
getan. Noch mal danke lieber Kollege.
E-Mail vom 04.November 2009:
Hi
Süße,
habe
direkt die neuesten Zeilen gelesen.
Lass
den Kopf nicht hängen, Du hast schon so viel geschafft, dann wirst Du deine
letzte Schwäche auch noch meistern. ;)
Ist
ja klasse, dass Dein Chef so offen und ehrlich mit Dir über alles redet. Nur so
weiß man, was man abändern muss.
Denk
daran wie schnell die Zeit verfliegt. Somit wirst auch Du das stressige
Weihnachtsgeschäft schnell hinter Dir lassen. Und dann wird es wieder
entspannter.
Vielleicht
schaffen wir es auch mal so zwischendurch auf einen Kaffee zu treffen.
Liebe
Grüße Dein Freund Ronny
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