Montag,
5.Oktober 2009:
Der
36. Jahrestag des Zugunglücks.
Ich muss den ganzen Tag immer und immer
wieder an das Unglück und seine Folgen denken. Immer wieder kehren meine Gedanken
dorthin zurück. Ich bin heute sehr nachdenklich. Sehr traurig.
Ich bin auf der Arbeit. Es ist kurz nach 18 Uhr. Ich schaue auf die Uhr und
denke:
“ Vor 36 Jahren ist es passiert.“ Ich drehe
mich um. Und wer steht da und lächelt mich an? Mein Bruder und seine Freundin.
Mir schießen gleich die Tränen in die Augen. ( Jetzt auch wieder). Ich eile zu
ihm und wir umarmen uns. Ich habe mich noch nie so sehr gefreut einen lieben
Menschen zu sehen, wie in diesem Augenblick. Auch seine Freundin ist mir auf Anhieb
sehr sympathisch. Ich glaube fest daran: Die beiden hat mir meine, sorry,
unsere Mama geschickt.
An diesem Abend sind wir noch etwas trinken
gegangen und haben sehr viel erzählt und
gelacht. Ich bin mir nicht sicher ob Marcus bewusst war, was für ein Tag
war.
Ich habe diesen Abend einfach nur genossen.
Ich werde ihm das später mal erzählen. An diesem Abend war kein Platz für
traurige Gedanken. Danke, das war ein sehr, sehr schöner Abend. Danke!!!
E-Mail
vom 5.Oktober 2009:
Liebe
Frau Riesener,
lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Habe mittlerweile einen
neuen PC und alles klappt besser.
Am heutigen Tage zum Geburtstag unserer Tochter Michaela ( geb. 05.10.XXXX )
bin ich in Gedanken auch bei Ihnen. Eine Kerze stelle ich zum Gedenken
schon immer auf. Alles Gute und seien Sie Tapfer wie bisher. :'(
Ihr Lothar K.
lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Habe mittlerweile einen
neuen PC und alles klappt besser.
Am heutigen Tage zum Geburtstag unserer Tochter Michaela ( geb. 05.10.XXXX )
bin ich in Gedanken auch bei Ihnen. Eine Kerze stelle ich zum Gedenken
schon immer auf. Alles Gute und seien Sie Tapfer wie bisher. :'(
Ihr Lothar K.
Mittwoch,
7. Oktober 2009:
Heute hätte Opi Geburtstag gehabt. In
meinen Gedanken bin ich bei ihm. Ich denke an all die schönen Geburtsachsfeiern
von und mit Opi.
Heute habe ich frei. Um kurz nach halb vier
treffe ich mich mit Herrn Geling von der Zeitung.
Um viertel vor drei nehme ich den Bus
Richtung Mülheim Hbf. Um kurz nach drei komme ich dort an. Ich habe noch fünf
Minuten Zeit, bis der Zug nach Recklinghausen kommt.
Ich erinnere mich daran, wie es im Februar
war. Es war kalt. Ich hatte Angst. Ich war total nervös. Und jetzt? Ich bin
total ruhig. Ich freue mich sogar darauf Herrn Geling zu erzählen, was alles
Schönes passiert. Ist. Außerdem liegt es mir am Herzen allen Lesern noch einmal
Danke zu sagen.
Der Zug hat ein paar Minuten Verspätung.
Ich schicke Herrn Geling eine SMS, dass ich ein paar Minuten später komme. Dann
komme ich in Recklinghausen an. Herr Geling steht am Gleis und wartet. Wir
begrüßen uns und er schlägt ein kleines Café vor, in dem wir dann das Interview
führen. Es ist eine ehemalige Kirche. Eine gemütliche Atmosphäre. Es duftet
nach Kaffee. Wir suchen uns einen Tisch im hinteren Bereich aus, wo wir in Ruhe
reden können.
Bei dem Gespräch fällt mir auf, dass ich
total unbeschwert über alles reden kann. Was ich bei meiner Reise in die
Vergangenheit alles gewonnen habe. Ich hätte bei dem ersten Gespräch mit Herrn
Geling im Februar nie gedacht, dass ich so sehr für meinen Mut belohnt werde.
All das wird mir jetzt bewusst. Welch eine Bereicherung. Ich habe so viel
dazugewonnen. Ich freue mich schon sehr
auf den Artikel. Es macht Spaß mit Herrn Geling zusammen zu arbeiten. Nach dem
Gespräch werden noch ein paar Fotos gemacht. Dann bringt Herr Geling mich
wieder zum Bahnhof. Dort am Bahnhof von Recklinghausen fällt mir noch eine sehr
schöne Karte auf. Ich kaufe sie, nicht nur weil der Spruch schön ist, sondern
weil dieser Spruch auch zu mir passt.
Das
Leben (von Mutter Theresa)
Das Leben ist eine Chance, nutze sie.
Das Leben ist schön, bewundere es.
Das Leben ist ein Traum, verwirkliche ihn.
Das Leben ist eine Herausforderung, nimm
sie an.
Das Leben ist kostbar, geh sorgsam damit
um.
Das Leben ist ein Reichtum, bewahre ihn.
Das Leben ist ein Rätsel, löse es.
Das Leben ist ein Lied, singe es.
Das Leben ist ein Abenteuer, wage es.
Das Leben ist Liebe, genieße sie.
E-Mail
vom 9.Oktober 2009:
Hi Iris,
Habe gerade auch
Deine Zeilen gelesen. Muss schon sagen, es scheint wohl so was wie eine höhere
Macht zu geben. Das ist ja wie im Kino, dass ausgerechnet am 36. Jahrestag,
Dein Bruder bei Dir auf der Arbeit auftaucht. Das ist echt wahnsinnig und ich
freue mich für Dich. J
Du bist auf einem
echt guten Weg und meisterst das auch sehr gut. Das finde ich höchst beeindruckend,
wirklich höchst beeindruckend.
Lg
Dein Freund
Ronny
Sonntag,
11. Oktober 2009:
Ein Blümchentag, wie schön. Heute werde ich
einen faulen Tag machen. Seit dem Urlaub habe ich jeden freien Tag und jeden
Sonntag Termine gehabt. Heute lasse ich die Seele baumeln. Anja kommt gleich
auf einen Kaffee herum. Darauf freue ich mich sehr. Ich werde ihr dann in einer
kleinen grünen Pappschachtel den Stein vom Unfallort und ein Steinherz
übergeben. Bin mal gespannt, wie sie reagiert.
In den letzten Tagen ist es mir bewusst
geworden, was ich dieses Jahr alles erlebt habe, was sich alles für mich
geändert hat. Echt Wahnsinn. Für mich ist diese Zeit sehr spannend und sehr
lehrreich gewesen. Ich habe so viel gewonnen. Für mich ist diese Zeitreise das
Sprungbrett ins Glück geworden.
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