Sonntag, 22. November 2009:
Heute ist wieder ein Blümchentag. In den letzten Wochen ging es mir alles andere als gut. Doch seit gestern geht es mir wieder ein wenig besser. Keine Kopfschmerzen, keine Kreislaufbeschwerden, keine schlechte Laune. Endlich. Ich hoffe ich habe meine Schwächephase überwunden. Ich habe mir in den letzten Wochen viele Gedanken gemacht. Der Entschluss steht fest. Ich werde ab nächstem Jahr definitiv nur noch 4 Tage im Einzelhandel arbeiten. Vor fünf Jahren war ich schon einmal an diesem Punkt. Ich hatte mein Fernstudium begonnen, wollte ganz raus aus dem Einzelhandel. Doch es hatte nicht geklappt. Das war auch gut so, sonst hätte ich nie meinen jetzigen Job gefunden. Doch unter einem Punkt leide ich sehr. So sehr, dass es sich auch wieder gesundheitlich bemerkbar macht. Auch für meinen Burn-Out war das einer der Gründe. Nun ist es an der Zeit endlich etwas zu ändern. Damit mein Traumjob auch mein Traumjob bleibt. Ich brauche einfach mehr Zeit für mich und meine Gesundheit. Mehr Ruhe, mehr Sport, mehr Lebensqualität. Ich muss und will mehr Zeit für Familie und Freunde haben. Ich will Zeit haben meinen Bruder kennenzulernen. Ich will Zeit für Anja und meinen Neffen haben. Ich will mich öfter mit Freuden treffen. Ich will wieder die Ruhe haben, meine Bilder zu malen, ein schönes Buch zu Lesen. Das will ich! Dann kann ich auch volle Leistung bei der Arbeit bringen. Das ist einer der Punkte, die mir meine Ruhe, meine Lebensqualität rauben. Ich habe wirklich seit einem halben Jahr darüber nachgedacht. Jetzt ist es Zeit etwas zu tun. Es ist Zeit, dieses Problem für alle Male zu lösen. Das ist auch der Hauptgrund für meine Schwächephase. Die Arbeitszeiten kotzen (Sorry) mich so richtig an. Das raubt mir jegliche Lebensqualität.                                                                                                               Meine Gesundheit und meine Familie stehen bei dieser Entscheidung im Vordergrund. Die Entscheidung ist gefallen!!!

Dienstag, 24. November 2009:

Heute habe ich leider einmal wieder zu spüren bekommen, wie erschöpft ich bin. Ich habe die Sonderfläche aufgebaut. Ich war total überfordert. Ich musste mich so sehr zusammenreißen. Die viele Ware, die Kunden, die Sonderfläche, der Shop, die Kollegen….Ich habe mich so beherrschen müssen. Am liebsten hätte ich alles stehen und liegen gelassen und wäre nach Hause gefahren. Ich hasse es, freundlich sein zu müssen, wenn mir gar nicht danach ist.  Aber das ist nun mal mein Job. Das kann echt anstrengend sein. Eigentlich waren das immer die Herausforderungen, die ich geliebt habe. Seit 2 bis 3 Monaten bin ich solchen Situationen überhaupt nicht mehr gewachsen. Das bestätigt, dass meine Entscheidung, im Einzelhandel kürzer zu treten, die richtige Entscheidung ist. Ich weiß, dieses Jahr war für mich sehr anstrengend. Ich musste so viel verkraften.  Noch einmal trauern, noch einmal leiden, alles noch einmal durchleben. Das war oft hart an der Grenze. Nun kenne ich die ganze Geschichte, habe begriffen, bin dabei, mit der Vergangenheit abzuschließen. Ich bereue keinen einzigen Tag in diesem Jahr. Auch wenn es für mich das anstrengendste Jahr meines Lebens war. Es hat sehr viel Kraft und Energie gekostet. Aber auch die Einsicht, dass es nichts mehr in meinem Leben gibt, vor dem ich weglaufen muss. Nichts mehr! Mittlerweile weiß ich, dass ich mich hinter meiner vielen Arbeit versteckt habe. Neben der Arbeit noch das Studium, der Führerschein…immer war ich mit etwas  beschäftigt. Immer mit Erfolg. Doch um welchen Preis? Dass ich erneut kurz vor dem Burn-Out stehe? Ende Januar habe ich voraussichtlich eine Woche Urlaub. Dann werde ich mich komplett durchchecken lassen und mich, wenn es notwendig ist, wieder therapieren lassen. Es tauchen immer noch die Kopfschmerzen auf, ich schlafe sehr unruhig, habe zu niedrigen Blutdruck, ich bin zeitweise unterzuckert, ich kriege schon wieder viel zu früh meine Tage, ich bin ständig gereizt und schnell überfordert. Ich bin ständig müde, lustlos, mir ist alles scheißegal. Wenn nicht ab und an meine positive Einstellung durchsickern würde und ich in meinem tiefsten Inneren wüsste, dass bald alles gut wird, wäre ich schon längst beim Arzt. Dabei will ich doch nichts außer Ruhe!!!  Und irgendwie weiß ich ja auch, was der Arzt dann zu mir sagen wird und was mir bevorsteht.                                                                                                                                   Wie gesagt, ich habe meinen Job viel zu viel Raum einnehmen lassen. Die Arbeitszeiten im Einzelhandel lassen kaum Zeit für die schönen Dinge im Leben, die mir Kraft geben.
Ich fing mit drei Tagen bei meinem Arbeitgeber an. Ich fühlte mich wieder fit und bin nach sechs Monaten auf Vollzeit. 40 Stunden pro Woche. Hinzu kommen ca. zehn Stunden Fahrzeit pro Woche. Ich hätte es erst einmal mit vier Tagen probieren sollen. Aber auch das ist typisch. Ich will ja gleich immer alles und am besten sofort!!!  Außerdem habe ich im Job alles viel zu ernst genommen. Und dabei alles andere um mich herum so nach und nach schleifen lassen, weil ich meine gesamte Energie in den Job gesteckt habe. Ich hoffe nur, dass ich noch einmal die Notbremse ziehen kann, ansonsten wird es erfahrungsgemäß Monate dauern um wieder fit zu werden. Mir wird echt schlecht wenn ich darüber nachdenke. Aber vielleicht musste all das ja auch so kommen, damit ich es endlich lerne!!!  Ich weiß, dass meine Entscheidung richtig ist. Ich hoffe so sehr, dass ich dann so nach und nach wieder auf die Beine komme. Ich glaub ich muss noch verdammt viel lernen. Vor allem muss ich meine innere Ruhe finden, und viel, viel mehr für mich tun. Jetzt, wo ich mir alles von der Seele geschrieben habe, sickert auch schon wieder das positive Gefühl in mir durch und ich muss lächeln. Ich werde das schaffen. Das weiß ich. Wie heißt es so schön? Alles wird gut. Und das Schreiben tut gut.


Sonntag, 29. November 2009:

Bei mir wird sich in Kürze einiges zum Positiven verändern. Ich werde nach dem Weihnachtsgeschäft vier Tage arbeiten. Das heißt drei Blümchentage pro Woche. Es muss nur noch abgeklärt werden, wie dann meine Einsatztage aussehen. All das lässt mich wieder aufatmen. Ich blicke einer Zukunft entgegen, die wieder mehr Freiraum für mich hat. Das ist schön.
Und noch etwas Schönes: Übernächste Woche treffe ich mich mit meinem Bruder Marcus. Da freue ich mich besonders drauf. Anja und ich haben uns heute überlegt, dass wir meinen Geburtstag im Januar gemeinsam feiern werden. Zum Glück fällt mein Geburtstag auf einen Samstag. Das wird voraussichtlich das erste gemeinsame Treffen von uns drei Geschwistern sein. 

Nun sind es noch dreieinhalb Wochen. Dann ist Weihnachten. Ich freue mich sehr auf die freien Tage. Diese Zeit werde ich mit Anja und meinen Neffen, aber auch für mich alleine nutzen. 
Es ist schön zu wissen, dass ich hoffen kann. Dass ich mich freuen kann. Und vor allem, dass ich gelernt habe, im Gegensatz zu früher, wann es Zeit ist kürzer zu treten. Etwas gegen die Ursachen zu unternehmen, wenn es mir schlecht geht. Wenn es nach dem Weihnachtsstress wieder ruhiger wird, dann werde ich auch wieder so nach und nach zur Ruhe kommen. Das kenne ich ja von den vielen Weihnachtsgeschäften, die ich schon hinter mir habe. Meinen Kolleginnen und Kollegen geht es zur Zeit genauso. Das zeigt mir, dass es nicht nur an mir liegt. Und  solange ich in dieser Zeit die Möglichkeit habe, mich zwischendurch zurückzuziehen, und eine Perspektive auf eine bessere Zukunft habe, ist alles gut. 
Auch wenn es mir in den letzten Wochen nicht gut geht, sehe ich das trotz allem als gutes Zeichen, als Chance. Hätte ich das Tief nicht durchlebt, hätte ich wichtige Dinge noch immer nicht geändert.  Es hat mich viel Energie und Kraft gekostet, aber auch zum Nachdenken und Handeln gebracht. Selbst das Schwächeln war gut für mich. Die Kopfschmerzen und meine Müdigkeit haben mich davon abgehalten, weiter Vollgas zu geben. So war ich gezwungen, ein paar Gänge runterzuschalten. Und das ist gut so.
Tief in mir, so ganz langsam, kommen nun Tag für Tag meine Lebenskraft und meine Lebensfreude wieder. Das fühlt sich gut an. Ich will das Leben spüren, dazu gehören die Höhen und die Tiefen. Und ich liebe es, wenn ich eine Krise überstanden habe, gestärkt aus dieser Krise herauszugehen. Ich liebe es, über meine Grenzen hinauszugehen und daran zu wachsen.  Nun spüre ich, wie es langsam aber sicher wieder bergauf geht. Ich liebe dieses Gefühl. Das bin ich, das ist mein Leben!!!


Den Vorsatz, Menschen mit meiner Lebenserfahrung zu helfen, werde ich auf alle Fälle in die Tat umsetzen. Allerdings erst dann, wenn ich dafür bereit bin. Es kann sein, dass es noch Monate dauert, vielleicht auch Jahre, aber das spielt keine Rolle.
Auch für meine kleine Familie werde ich immer da sein, wenn es in meiner Macht steht. Weil ich weiß, dass auch meine Lieben immer für mich da sind, wenn ich sie brauche. Dafür bin ich sehr dankbar. Vor allem dafür, dass ich mittlerweile Hilfe annehmen kann, das konnte ich früher auch nicht. Ich wollte immer alles alleine schaffen und machen. Zum Glück habe ich auch das lernen dürfen. Vorausgesetzt, ich kann erst einmal mit mir ausmachen, was mir Kummer und Sorgen macht, bevor ich darüber rede und mir helfen lasse. 
Genauso wie das Nein sagen, wenn ich mal, aus welchen Gründen auch immer, nicht kann oder will. Es hat überhaupt nichts damit zu tun schwach zu sein, ganz im Gegenteil. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass jeder dafür Verständnis hat, wenn man offen und ehrlich miteinander umgeht.

An dieser Stelle möchte ich noch ein dickes, fettes Dankeschön loswerden, an all die lieben Menschen, die mir in den letzten Wochen zur Seite standen. Mich getröstet, aufgemuntert, mich entlastet und unterstützt haben. Für alle ehrlichen Worte. Für das Verständnis, wenn ich mal krumme Laune hatte. Für die kleinen Aufmerksamkeiten. Danke, dafür, dass ich so viele liebe Menschen um mich haben darf. Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. Danke Ihr Lieben!!! Das gibt Lebenskraft und Lebensfreude.

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