Sonntag, 6. Dezember 2009:

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie gut das tut, Ruhe zu genießen. Der Weihnachtstrubel wird von Tag zu Tag mehr. Ein Teil der Kunden ist sehr, sehr anstrengend. Doch wir müssen immer hübsch lächeln und nett sein. Das ist nicht immer leicht. Zum Glück sieht und hört mancher Kunde nicht was ich denke.
Mir geht es trotz Erschöpfung von Tag zu Tag besser. Ich freue mich auf die Feiertage, die für mich Ruhe und Erholung bedeuten. Die Zeit werde ich zum Teil mit Anja und den Kindern verbringen. Dann ist auch schon das neue Jahr ganz nahe. Es wird sich vieles in meinem Leben zum Guten wenden. Das weiß ich. Ich kann das Gute schon spüren. Es wartet auf mich.
Es ist richtig, in meinem Leben aufzuräumen, auch wenn es nicht immer leicht war.
Es ist richtig, Entscheidungen zu treffen, auch wenn ich dafür eine Menge Mut brauchte.
Es ist richtig, auf meine innere Stimme zu hören, auch wenn die Angst vor Veränderungen da war. Es ist richtig, von altem Ballast endlich loszulassen.
Das ganze Jahr war und ist richtig, so richtig, dass es das wichtigste Jahr in meinem Leben sein wird. Denn wenn ich erst einmal wieder zu Kräften gekommen bin und all das Traurige hinter mir lassen kann, dann werde ich ein glückliches, zufriedenes Leben führen. Endlich spiele ich wieder die Hauptrolle in meinem Leben, nicht das Schicksal. Man denke nur an Yin und Yang, die Symbole zwischen entgegengesetzten und doch abhängigen Kräften. Das Eine kann ohne das Andere nicht. Wenn man dieser Theorie Glauben schenkt, muss am Ende etwas unsagbar Schönes, Starkes meiner Geschichte gegenüber stehen. Lebenskraft !!!
Ich musste all die innere Unruhe rauslassen, damit die innere Ruhe einkehren kann. Für diese innere Ruhe war bisher kein Raum da. Um diesen Raum zu schaffen, musste ich fast alle alten Wunden aufreißen, mir den Boden unter den Füßen wegziehen und alles herauslassen, was seit Jahrzehnten in mir brodelte. Ich musste mir meine Fehler und Macken eingestehen. Masken fallen lassen. Die Ursachen für immer wiederkehrende Krisen ergründen. Trauer, Schmerz und Niederlagen noch einmal durchleben. Dabei bin ich sehr oft an meine Grenzen gestoßen. Doch an das Aufgeben habe ich bei meiner Reise in die Vergangenheit nie gedacht. Es hat mich sehr viel Kraft gekostet. Doch nun kenne ich endlich meine Geschichte, ich weiß wer ich bin. Warum ich mich wie verhalte. Wenn ich mir meine Lebensgeschichte vor Augen halte, gibt es kaum noch etwas, vor dem ich Angst haben muss. Ich fühle mich stärker als je zuvor. Ich spüre all meine Lebenskraft. Auch die Angst, dass mich meine Geschichte später wieder einholen wird, verschwindet von Tag zu Tag mehr. Natürlich hat mich meine Geschichte geprägt. Es wird auch immer wieder Phasen geben, in denen mich all das beschäftigt. Das ist auch gut so. Es gehört zu meinem Leben und hat mich zu einer starken Persönlichkeit reifen lassen. Das Wichtigste ist: ich lebe nicht in meiner Vergangenheit, sondern blicke in eine hoffnungsvolle Zukunft. Ich verstehe die Zusammenhänge und die Ursachen. Das wird mir bei meiner Persönlichkeitsentwicklung sehr helfen. Ich zerbreche nicht an meinem Schicksal. Ich kann endlich loslassen, was mir bisher für ein glückliches Leben im Wege stand.  Ich konnte mich von all dem Kummer und Schmerz befreien. Diese Unruhe in mir wird immer kleiner. Es ist schön zu spüren, wie Ruhe einkehrt. Wie ich gelassener werde. Das fühlt sich so gut an.
Es wurde mir bei meiner Reise klar, warum es immer wieder zu gewissen Konflikten kam. Warum ich es nie geschafft habe, dauerhaft eine Beziehung zu führen. Wenn ich ständig diese Unruhe in mir hatte, wenn ich mit mir und meinem Leben überfordert war, ist es doch verständlich, dass meine Lieben das auch spüren mussten. Dazu meine Verlustangst, mein Hang zum Perfektionismus, über den ich meine Anerkennung erlangt habe. Ich habe niemals jemanden neben mir geduldet. Ich musste mich immer wieder beweisen, die Beste sein, andere in den Schatten stellen, mich in den Vordergrund stellen. Ich hatte immer Angst meinem Partner nicht zu genügen, ich hatte Angst, dass er sich eine andere, bessere sucht. Ich habe immer die Starke, die Coole gespielt. Obwohl ich zutiefst verletzt war. Doch das wollte ich mir nie eingestehen und schon gar nicht meinem Partner zeigen. Ich kann mir gut vorstellen, wie anstrengend das auf Dauer sein muss. Ich möchte auch keinen Freund oder Mann haben, der mit sich nicht im Einklang ist. Der sich anders verhält, als er eigentlich ist. Nicht sein wahres „ich“ zeigt. Wo ist da die Basis für eine gesunde, dauerhafte Beziehung?
In diesem Jahr habe ich mich selbst verletzt – alle alten Wunden aufgerissen – damit all der Kummer und Schmerz heraus kann. Es gibt nichts mehr, was in mir brodelt.  Noch bin ich ein wenig müde, doch bald wird der Tag kommen, an dem die Wunden wieder verheilt sind. Aus Unruhe wird dann Ruhe – aus Unglück wird dann Glück – aus Weinen wird dann Lachen – Aus Kummer und Schmerz wird dann LEBENSKRAFT!!!
Bin ich froh, dass ich mich endlich meiner Vergangenheit gestellt habe. Ich hätte nie gedacht, wie sehr Erlebnisse in der Kindheit einen Erwachsen prägen. Oder, dass ein einziger Tag, ein paar Minuten, ein paar Sekunden, für ein ganzes Leben entscheidend sein können. All das sollte man niemals unterschätzen. Und man sollte nicht fragen „Warum ist das passiert?“ Sondern: „Wofür?“ Auch wenn wir die Antwort manchmal erst Jahre später erhalten.    Alles hat seinen Sinn. Alles passiert zum richtigen Zeitpunkt.


Dienstag, 8. Dezember 20009:

Ich habe heute Überstundenfrei. Das heißt: ein Blümchentag extra. Ich habe mich entschlossen, diesen Tag nur für mich zu nutzen. Ganz ohne Stress. Ich werde gleich zum Schwimmen und in die Sauna fahren, und heute Abend mit einer Freundin beim Italiener essen gehen. Sobald ich meine neuen Arbeitszeiten habe, habe ich wieder mehr Zeit für solche schönen Dinge. Ich freue mich schon riesig darauf. Endlich wieder durchatmen und das Leben genießen.

Ich habe ein sehr schönes Gedicht von meiner Freundin geschenkt bekommen. Es passt sehr gut zu dem, was ich dieses Jahr alles erlebt, gefühlt und niedergeschrieben habe.
Diese Worte schrieb Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959:

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnung für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich, das nennt man
“AUTENTHISCH-SEIN”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
wie sehr es jemanden beschämt,
ihm meine Wünsche aufzuzwingen,
obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif,
noch der Mensch dazu bereit war,
auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß ich, das nennt man
“SELBSTACHTUNG”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört
mich nach einem anderen Leben zu sehnen,
und konnte sehen, dass alles um mich herum
eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, dass nennt man
“REIFE”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist
- von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich, das nennt sich
“SELBSTACHTUNG”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte
für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das,
was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe
und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise
und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man
“EHRLICHKEIT”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit
was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”
aber heute weiß ich, das ist “SELBSTLIEBE”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt,
das nennt man “EINFACH-SEIN”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert,
weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen,
jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick,
wo ALLES stattfindet.
So lebe ich heute jeden Tag und nenne es
“VOLLKOMMENHEIT”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner,
diese Verbindung nenne ich heute
“HERZENSWEISHEIT”.

Wir brauchen uns nicht weiter
vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen
manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich,
DAS IST DAS LEBEN...



Mittwoch, 9. Dezember 2009:

Ein zweiter Blümchentag für mich. Ich bin müde, aber mir geht es gut. Ich muss noch zwei Wochen durchhalten, dann kann ich die Feiertage genießen. Nächste Woche treffe ich mich mit Marcus. Wir haben das Treffen um eine Woche verschoben. Ich mache es mir nun gemütlich und entspanne. Kräfte sammeln für die nächsten Tage.


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