Sonntag,
21.Juni 2009:
Heute ist ein Blümchentag. Ich habe
ausgeschlafen. Ich habe leichte Kopfschmerzen. Aber sonst geht’s mir gut. Ich
denke die Kopfschmerzen habe ich, weil ich mir letzte Woche zu viele Gedanken
wegen meines Papas gemacht habe. Mir den Kopf zerbrochen habe. Ich werde noch
ein bisschen Zeit brauchen um all das so zu akzeptieren wie es ist. Ich bin mir
sicher, dass ich das schaffen werde. Ich brauche halt nur ein wenig Zeit. Es
ist ja auch eine ganze Menge, was ich alles verarbeiten muss. Nicht nur das was
ich niederschreibe. Hinzu kommen, wie bei jedem Menschen, halt noch die ganz
normalen Alltagssorgen. Das Leben halt. Ich weiß, dass ich stark bin, dass ich
die Kraft habe all das durchzustehen. Wie der Baum auf meinem Titelblatt. Ich
muss für die Zukunft lernen, nachzugeben. Nur wer flexibel ist, kann den
Herausforderungen im Leben standhalten. Manchmal reicht es ja schon, die
Sichtweise auf eine Situation zu ändern. Eine starre Einstellung, oder ein
starrer Baum, würden beim ersten Sturm umfallen. Sie würden zerstört werden.
Das ist nicht immer leicht, seine Einstellung zu ändern oder zumindest zu
überdenken, aber man kann es lernen. Alles hat auch seine gute Seite. Positives
Denken, sich den Umständen anpassen und aufgeschlossen sein. Das habe ich mir
ganz fest vorgenommen. Und wenn ich ein paar Jahre zurückschaue, dann weiß ich,
dass ich das von Tag zu Tag besser kann. Es gibt Situationen, die kann ich
einfach nicht ändern. Es kostet nur unnötig Energie sich dagegen zu wehren. Es
hat auch nichts mit Stärke zu tun, immer auf sein Recht zu pochen, mit dem Kopf
durch die Wand zu gehen. Ganz im Gegenteil. Meine Erfahrung zeigt, dass ich mir
mit solch einer Sturheit nur selber im Weg stehe und mir selber schade. Und in
meinem Umfeld gehe ich den Leuten nur auf die Nerven. Komme meinem eigentlichen
Ziel aber kein Stück näher. Es schafft nur Frust und Unzufriedenheit.
Nun ist es Zeit zu erzählen, wie ich an den
Namen „Esche“ kam. Ich kann das nur anhand von Erzählungen wiedergeben. Ich war
damals erst knapp zwei Jahre alt. Es war Weihnachten. Ich fing gerade an zu
sprechen, allerdings machte mir mein eigener Name Schwierigkeiten.
Meine Eltern und meine Großeltern saßen
Weihnachten bei einem Glas Sekt zusammen. Ich wollte unbedingt probieren, was
die Großen da tranken. Da habe ich wohl gesagt: “Esche Hekt!“ Was so viel
heißen sollte wie: Iris will auch einen Sekt! Alle haben gelacht und ich durfte
einen Minischluck probieren. Dann habe ich wohl ein ziemlich dummes Gesicht
gemacht und mich geschüttelt, weil die Kohlensäure so gekitzelt hat. Danach
wollte Esche keinen Hekt mehr.
Jedes Weihnachten, bei jedem Anlass wenn in
der Familie Sekt getrunken wurde, haben Oma oder Opa diese Geschichte erzählt
und dabei herzlichst gelacht. Oma hatte mich auch später hin und wieder Esche
genannt. Auch Anja tut es hin und wieder. Hekt
mag ich mittlerweile, ich kann sogar das Wort Sekt sagen.
Mittwoch,
24.Juni 2009:
Ich habe am Wochenende eine E-Mail von dem
Sohn eines verstorbenen Zugführers bekommen. Wir wollten uns in den nächsten
Wochen treffen. Ich habe mir vorgenommen, ihn heute Abend anzurufen. Ich hoffe,
ich schaffe das. Es gibt Tage, da fallen mir solche Gespräche sehr schwer. Und
heute ist so ein Tag. Der Sohn des Zugführers, M., hat mir ein paar
Zeitungsausschnitte per E-Mail mitgeschickt. Ich kannte diese Artikel und
Bilder noch nicht. Auch mein Papa und meine Mama werden in einem der Artikel
erwähnt. Ich konnte diese Artikel erst heute lesen. Im Moment schwächel ich ein
wenig. Ich bin müde, habe auf nichts so richtig Lust, ziehe mich zurück. Ich
spüre eine große Traurigkeit. Das ist, seitdem ich die Briefe von meinem Papa
gelesen habe und die volle Wahrheit kenne. Das hat mir ganz schön zugesetzt.
Ich mache meinem Papa, wie gesagt, keinen Vorwurf. Es ist viel mehr der
Gedanke, wie verzweifelt, wie leidend mein Papa war. Das tut mir so weh. Das
macht mich so traurig. Ich kann all das Geschehene nicht ändern. Ich bin zum
Glück ein Mensch, der eine positive Lebenseinstellung hat und immer nach vorne
blickt. Aber, diese Vergangenheit ist ein Teil von mir. Ich brauche Zeit um all
das zu verdauen. Nur dann habe ich die Chance, mit dieser dramatischen
Geschichte abzuschließen. Ich weiß, dass ich das schaffen werde. Ich kann es
nur nicht von heute auf morgen.
Als ich die Artikel gerade gelesen habe,
erschien das Gelesene wie ein Film vor meinen Augen. Ich konnte sogar die
Schreie hören. Ich denke, das liegt an all den noch immer lebendigen
Erzählungen von den Augenzeugen, mit denen ich gesprochen habe, und dass ich
vor Ort war und mir genau vorstellen kann, wie und wo alles geschah. Noch immer
schmerzen diese Bilder.
Ich hoffe ich finde gleich die Kraft, M.
anzurufen. Wenn nicht, werde ich es am Wochenende tun. Ich vertraue da ganz
meinem Gefühl. Ich werde mich nicht unter Druck setzen oder unnötig quälen.
Ich werde heute nicht anrufen. Mir fehlt
die Kraft dazu. Ich habe M. eine E-Mail geschrieben, dass ich mich die Tage per
Telefon bei ihm melden werde. Ich denke, so ist es besser. Bevor es mir noch
schlechter geht. Ich gönne mir jetzt einen ruhigen Abend.
Sonntag,
5. Juli 2009:
Heute ist ein Blümchentag. Die Sonne
scheint. Ich genieße den Sonntag in aller Ruhe. Ich gönne mir weiterhin eine
Recherchierpause. Ich muss erst einmal alles sacken lassen. Noch eine Woche.
Dann habe ich Urlaub. Dann stehen 2 – 3 Treffen mit Lesern an. Bis dahin werde
ich eine Pause machen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen