An das Vorwort: „Yin und Yang. Das sind
die Symbole zwischen entgegengesetzten und doch abhängigen Kräften. Himmel und
Erde. Feuer und Wasser. Hell und Dunkel. Gut und Böse. Reden und Schweigen.
Freude und Leid. Sie alle bilden eine Einheit. Das Eine kann ohne den Anderen
nicht sein. Doch was steht gegenüber meiner Geschichte? Walter Rathenau sagt:“
Es steht uns bevor die Zeit des Erkennens und der Grausamkeit. Nach ihr kommt
die Zeit des Begreifens und der Liebe.“
Ich erinnere mich auch daran, dass ich ein
paar Tage vor dem ersten Treffen mit Marcus, in der Nähe von unserem
Gechwistertreffpunkt, einen Ring gefunden habe. War das schon ein Zeichen?
Alles passt perfekt zusammen. Alles macht Sinn.
Am 7.Oktober haben Stefanie und Marcus ihre
kirchliche Trauung gehabt. Ein weiterer traumhafter Tag. Ich sag das jetzt
nicht nur, weil es die Trauung von meinem Bruder war. Es war für mich die
schönste Hochzeit, die ich je erlebt habe. Es begann schon in der Kirche, die
Texte, die vorgelesen wurden, wie zum Beispiel „Was es ist“ von Erich Fried
oder auch die Lieder, die gesungen und vorgetragen wurden, zum Beispiel: „The
Power of Love“ von Frankie goes to Hollywood als Orgelspiel. Grandios. Alles
wurde mit so viel Liebe ausgesucht. Bis ins Detail. Wunderschön! Es war so viel
Liebe in diesem Gottesdienst zu spüren. Soviel Wärme. Diese Trauung ging in die
Tiefe und hat alle Seelen berührt. Ich durfte die Fürbitte vorlesen. Diese
Fürbitte haben die Beiden für mich ausgesucht und auch das passte perfekt zu
unserer Geschichte.
„Herr, so viele Menschen haben Stefanie und Marcus auf ihrem bisherigen
Weg begleitet, geprägt und ihr Leben bereichert. Einige von ihnen können heute
leider nicht bei uns sein. Wir danken Dir für die Zeit, die uns mit ihnen geschenkt
wurde und für die vielen schönen Erinnerungen, die uns mit ihnen verbinden.
Vergilt ihnen die Liebe und die Freude, die sie in uns zurückgelassen haben.
Lass sie auch zukünftig in unseren Herzen bei uns sein. Wir bitten dich, erhöre uns.“
Ich erinnere
mich noch genau, wie ich oben am Pult stehe, die Fürbitte vortrage und zu dem
Brautpaar schaue. In diesem Moment waren all unsere Lieben bei uns. Ich fühlte
ihre Liebe, ihre Wärme, ihre Freude. Ich stellte mir vor, wie sie alle
gemeinsam im Himmel an einer großen Tafel saßen, sich mit uns freuten und
feierten. In einem solchen Moment spürt man große Freude, aber auch die Tränen
in den Augen und einen Kloß im Hals. Wieder ein unbeschreiblicher Augenblick.
Als wir nach der Kirche in den Stadtgarten fuhren, um dort zu feiern, spürte
ich wie aufgewühlt ich doch war. Dieses Gefühl bringt mich bis heute noch immer
wieder zum Weinen. Vor Glück! Aber ich kann auch nicht leugnen, dass Bilder aus
der Vergangenheit seitdem immer wieder zum Vorschein kommen. Auch dieses Gefühl
lässt sich schwer beschreiben. Ich denke, ich brauche noch ein paar Tage, um
das alles zu begreifen.
Die
Feier war wunderschön. Wir waren ca. 70 Gäste. Es war toll zu sehen, mit wie
viel Liebe die Familie und die Freunde das Fest bereicherten. Wie gesagt es war
die schönste Hochzeit, die ich je erlebt habe. Es war so viel Liebe und Freude
zu spüren. Der Trauspruch:“ Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese
drei, doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1.Korinther 13,13.) passte
zum Brautpaar und zum Fest. Der Festsaal leuchtete in einem strahlenden Weiß,
mit hellgrünen Farbakzenten, die durch indirekte Beleuchtung und Blumen gesetzt
wurden. Genau meine Farben. Der Hochzeitswalzer hat mich auch umgehauen.
„Metallica – Nothing else matters.“ meine Lieblingsband und meine
Lieblingsballade! Das war der Hammer! Die Beiden strahlten! Und ich auch! Dann waren da noch die knallroten
Luftballons, die wir mit Postkarten haben fliegen lassen, das Feuerwerk und
vieles mehr. Es war wunderschön! Wie gesagt, die beiden Hochzeitstage werden
auch zwei der schönsten Tage in meinem Leben sein. Wenn ich mal heiraten
sollte, würde ich mir eine solche Traumhochzeit wünschen. Wenn man sich eine
Familie wünschen könnte, dann genau die, die ich hatte und die, die ich habe.
Omi und Opi haben mich zu dem gemacht was ich bin. Meine Mama und mein Papa
haben mir mein Leben geschenkt. All die Lieben, die jetzt mein Leben
bereichern, sind meine Zukunft – mein Leben. Alle gemeinsam sind die Menschen,
die ich von Herzen liebe, meine Wurzeln, mein Halt und trotz einer zum Teil
bewegten und traurigen Geschichte, pures
Glück und meine Erfüllung. Danke, schön, dass es Euch gibt!
2012 / 2013
Ich bin jetzt als Gesundheits- &
Spirituelle Lebensberaterin und
Entspannungspädagogin selbstständig und in Teilzeit im ANNA SPIRIT
ZENTRUM angestellt. Ich verkaufe dort Edelsteine, Bücher, Klangschalen, Düfte,
Yogamode und viele andere schöne Dinge, die Freude machen. Außerdem plane ich
die Termine für die Vorträge und Workshops, die in unserem Zentrum rund um das
Thema Spiritualität stattfinden. Das macht mir sehr große Freude. Ich arbeite als Dozentin und Kursleiterin bei
uns im Zentrum, an der VHS in Oberhausen und beim Familienbildungs-Zentrum in
Duisburg. Ich gebe Einzelcoaching und
Tarot-Sitzungen. Ich mache Outdoor-Relax-Training mitten in der Natur unter
freiem Himmel. Im November 2013 habe ich den 1. Preis von Impulse (Schule für
freie Gesundheitsberufe) „Erfolgreich in die Selbstständigkeit“ verliehen
bekommen.
Die Schwestern meiner Mama und
ihre Töchter habe ich im Sommer 2012 das erste Mal besucht. Im November 2013 war ich wieder bei ihnen.
Sie haben mich liebevoll mit offenen Armen empfangen. Wir telefonieren und
schreiben regelmäßig. Mittlerweile ist alles so vertraut. Ich bin unendlich
dankbar, dass ich so viel Liebe und Geborgenheit in meiner Familie erfahren
darf. Auf dieser Ebene durfte ich Fülle erfahren, auf eine Art und Weise, wie
ich sie mir nie erträumt hätte.
Dieser Artikel erschien am
Mittwoch, den 15. Februar 2012
„Von ihrem Schicksal sollen andere profitieren“
Recklinghauser Zeitung /
Medienhaus Bauer von Markus Geling
Iris Riesener hat ein Buch über
die Zugkatastrophe von 1973 geschrieben.
Marl. Sie sei in den
vergangenen drei Jahren ein Stück durch die Hölle gegangen, sagt Iris Riesener.
Nicht nur einmal habe sie sich gefragt, was sie da eigentlich mache:
„Zwischendurch ging es mir richtig, richtig schlecht“, erzählt die 44-Jährige –
etwa, nachdem sie in Marl-Sinsen den Ort der Zugkatastrophe von 1973 besucht hatte.
Aber dafür ist sie nun umso stolzer, dass sie die Belastungen ausgehalten und
sich mit ihrer Lebensgeschichte auseinandergesetzt hat. Denn heute ist sie
fröhlicher, selbstbewusster, optimistischer – und weiß: „Alles war genau so
richtig und gut.“ Also: Informationen zum Unglück einzuholen. Den Bruder und
andere Familienmitglieder zu suchen. Und über all das ein Buch zu schreiben.
„Lebenskraft“ heißt es und „ist bestimmt kein literarisches Meisterwerk“, wie Iris Riesener lächelnd meint. Aber es stecke voller Emotionen. Und es erzählt ihre Geschichte.
„Lebenskraft“ heißt es und „ist bestimmt kein literarisches Meisterwerk“, wie Iris Riesener lächelnd meint. Aber es stecke voller Emotionen. Und es erzählt ihre Geschichte.
Diese wird geprägt von den
Ereignissen des 5. Oktober 1973. An diesem Tag verunglückt der Schnellzug D 632
Flensburg-Düsseldorf in Marl-Sinsen. Sieben Menschen sterben, mehr als 40
werden zum Teil schwer verletzt. Unter den Todesopfern: Iris Rieseners Mutter.
Der Vater des damals fünf Jahre alten Mädchens kommt schwer verletzt auf die
Intensivstation. Er verbringt den Großteil seines weiteren Lebens in Kliniken –
traumatisiert und krank. Iris Riesener sieht ihn nie wieder. Die Großeltern,
bei denen das Mädchen mit ihrer Schwester aufwächst, möchten das nicht. Und
auch zu ihrem drei Jahre jüngeren Bruder, der in eine Pflegefamilie kommt, gibt
es in der Folgezeit keinen Kontakt mehr. Das ganze Unglück ist nie wieder ein
Thema.
Bis Anfang 2009. Da wendet sich
die Mülheimerin an das Medienhauses Bauer, um endlich etwas über die
Katastrophe von 1973 zu erfahren. Weil sie nicht mehr vor ihrer Geschichte
weglaufen will. Sie studiert die Artikel aus unserem Archiv, bekommt von Lesern
Fotos, Dias und Videos zugeschickt, trifft sich mit Angehörigen von Opfern,
hört Augenzeugenberichte – und besichtigt sogar eine Lokomotive des Typs, der
am Unglück beteiligt war. Vieles ist nur schwer zu ertragen. Immer wieder
unterbricht die Einzelhandelskauffrau ihre Recherchen für Tage oder Wochen.
Parallel dazu sucht Iris Riesener den Kontakt zu ihrem Bruder. Voller Sorge, bei ihm alte Wunden zu öffnen – oder auch zurückgewiesen zu werden. Doch als die beiden sich dann das erste Mal sehen „ist sofort klar, dass wir Geschwister sind. Obwohl wir mehr als 30 Jahre auseinandergerissen waren“, erzählt Iris Riesener.
Parallel dazu sucht Iris Riesener den Kontakt zu ihrem Bruder. Voller Sorge, bei ihm alte Wunden zu öffnen – oder auch zurückgewiesen zu werden. Doch als die beiden sich dann das erste Mal sehen „ist sofort klar, dass wir Geschwister sind. Obwohl wir mehr als 30 Jahre auseinandergerissen waren“, erzählt Iris Riesener.
Anfang 2009 sieht sie sich noch
als entwurzelte Einzelkämpferin. Heute hat sie auf einmal eine große Familie,
in der sie sich geborgen fühlt. So seien etwa die Frau und die Pflegemutter
ihres Bruders „zauberhaft“ – und auch die Geschwister ihrer Mutter und ihrer
Großeltern habe sie inzwischen ausfindig machen können: Weil sie sich getraut
hat, das Schweigen zu brechen. „Wenn ich daran denke, bekomme ich Gänsehaut“,
sagt Iris Riesener und reibt mit der linken Handfläche über ihren rechten
Unterarm.
Das alles spielt in ihrem Buch
eine Rolle. Es ist eine Mischung aus Tagebucheinträgen, Lebensweisheiten,
Zeitungsartikeln und Augenzeugenberichten. Gedacht ist es vor allem für ihre
Familie, Freunde, Bekannte – oder andere Menschen, die vom Unglück betroffen
waren. Es sei nicht im herkömmlichen Sinne verlegt worden, sagt Iris Riesener,
sondern „es wird gedruckt, wenn eine Bestellung vorliegt“. Aber das sei völlig
okay. Denn „es war ja nie mein Anliegen, damit reich zu werden“.
Wichtiger ist ihr etwas
anderes: Menschen in vergleichbaren Situationen ein Vorbild zu sein. Zu zeigen,
dass man mit der Vergangenheit Frieden schließen kann, wenn man sich ihr
stellt. Deshalb orientiert sie sich auch beruflich um, will im Herbst ihre
Ausbildung zur Entspannungspädagogin abschließen: „Ich möchte mein Schicksal
quasi zur Berufung machen“, sagt sie. Und mit ihrer Lebensgeschichte im Hintergrund
Menschen, die einen Schicksalsschlag erlitten haben, professionell beraten.
Aber vielleicht kommt alles
auch ganz anders. Denn in den vergangenen drei Jahren sei so viel passiert,
sagt die 44-Jährige fröhlich glucksend, „dass mich die neue Iris manchmal
selbst überrascht“.
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